Muskeln, das Herz unseres Bewegungsapparates

Anatomie

Die Muskeln sind das Herz unseres Bewegungsappartes, ohne sie geht sprichwörtlich gar nichts.
Leider kümmern wir uns viel zu wenig um Sie.
Sie sind extrem lern-und anpassungsfähig.
Wenn wir körperliche Arbeiten durchführen oder die Muskeln bewusst trainieren, können wir schnell die Veränderungen auch äußerlich wahrnehmen.
Die Kontur der Muskulatur wird deutlicher, der Muskelbauch größer, wir spüren mehr Kraft und die Auswirkung der verbesserten Kraft, nämlich größere körperliche Sicherheit und Reaktionsfähigkeit.

Direkt an den Wirbelkörpern der Lendenwirbelsäule setzen die kleinen Rückenmuskeln, die einzelne Wirbelkörper miteinander verbinden, an.
Da sie sehr verzweigt sind, werden Sie medizinisch als die Multifidi-Muskulatur oder auch als tiefe Rückenmuskulatur bezeichnet.
Darüber liegen die kräftigeren Rückenmuskeln, die auch Verbindung zum Schultergürtel haben.
Dieser große kräftige und lange Muskelstrang wird als "Aufrichter" der Wirbelsäule, M. erector spinae, bezeichnet.
Besonders wichtig für den Rücken ist auch die vordere Stabilität der Wirbelsäule über die Bauchmuskulatur. Auch hier gibt es verschiedene Muskelgruppen, für den Rücken besonders wichtig ist die schräge und quere Bauchmuskulatur ( Musculus obliquus und transversus abdominis).

Funktion

An der Lendenwirbelsäule unterscheiden wir Rückenmuskeln, die die Feinsteuerung und die Positionierung der einzelnen Wirbelkörper zueinander, wir sprechen von Tiefenkoordination, regeln und die kräftige darüberliegende Rückenmuskulatur. 
Die oberflächliche Rückenmuskulatur hält uns aufrecht und arbeitet besonders beim Heben und Tragen.
Damit die kräftige Rückenmuskulatur gut arbeiten kann, ist die vorherige Einstellung der Wirbelsäule durch die Tiefenmuskulatur wichtig, hierzu benötigt es auch eine Vorspannung durch die Bauchmuskulatur.
Erst wenn alle 3 Muskelbereiche in der richtigen Reihenfolge und mit der richtigen Intensität miteinander agieren, ist eine kraftvolle und stabile Belastung der Lendenwirbelsäule möglich.

Störungen

4 Umstände führen zu deutlich größeren Störungen:

  • Muskuläre Dysbalance
    Besteht ein Ungleichgewicht, wie eine muskuläre Dysbalance, z.B. eine zu schwache Bauchmuskulatur oder ein zu spätes Einsetzen der tiefen Rückenmuskeln, sind Beschwerden vorprogrammiert. Typische Folgen sind z.B. der klassische Hexenschuss bei einer Vor-oder Rückbeugung.
    Aber auch der Bandscheibenvorfall, der sich nach dem Heben eines schweren Gegenstandes entwickelt hat, entsteht genau durch diese Dysbalance.
  • Zu geringer Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung
    Muskeln leben von und für Bewegung.
    Bewegung entsteht im Wechsel zwischen An-und Entspannung. Es ist wie beim Ein- und Ausatmen. Eine Störung dieses Wechsels führt zur Stockung (Verspannung) des Muskel.
    Nach langer Zeit ist es dann wie mit einem hohen Blutdruck, auch in stressfreien Zeiten bildet sich die Spannung der Muskulatur nicht mehr zurück.
  • Keine Aufgabe
    Wenn der Muskel nicht gefordert wird, bildet sich seine Kraft und seinen Umfang schnell zurück. Wer einmal einen Gips hatte, weiß wie schnell sich der Muskel an die verminderte Anforderung anpasst.
    Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass bereits nach 3 Tagen Bettruhe bis zu einem Viertel des Muskels zurückgebildet sein kann.
    Wenn der Muskel über Jahrzehnte nicht gefordert wird, kann sich das Gewebe umbauen und der Muskel lagert mehr Fett ein. Dieser Zustand ist dann kaum mehr veränderbar.
  • Keine Herausforderung
    Muskel lieben Herausforderungen.
    Sie langweilen sich, wenn sie immer das gleiche tun müssen. Sie langweilen sich so sehr, dass nur noch so viel Muskelfasern übrig bleiben wie unbedingt nötig.
    Wenn sie dann auch noch immer das eintönig gleiche tun müssen,  vergessen sie die ganze Feinsteuerung, die sie als Baby mit dem Erlernen der Kopfkontrolle und der Kopfhebung  mühsam aber mit uneendlich viel Geduld erlernt haben.
    Keine Herausforderung heißt dann, wie wir es auch sonst im Leben beobachten können, nicht nur das es keine Entwicklung gibt, sondern dass sich vorhandene Fähigkeiten, die nicht genutzt werden, zurückbilden.
    Wir nennen diesen Rückgang der Fähigkeiten Dedifferenzierung.
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