Triggerpunkte, Faszien und Muskelverhärtung

Der wichtigste Ansatzpunkt bei Rückenschmerzen

Verspannungen können zu einer schmerzhaften Veränderung des Muskelgewebes, Veränderung der Muskelfaserstruktur oder der bindegewebigen Muskelhüllen (Faszien) führen. Beim Muskelhartspann mit Druckempfindlichkeit und Auslösung der bekannten Schmerzsymptome spricht man auch von Triggerpunkten. Häufige Auslöser sind akute oder chronische Überlastungen, krankhafte Überdehnungen durch Unfälle, bzw. direkte stumpfe oder auch spitze Verletzungen der Muskulatur.

Weitere Faktoren, die zur Erhöhung der Muskelspannung beitragen, sind Veränderung der Statik und des Bewegungsmusters, Nässe und Kälte, Einflüsse von Gelenken, Nerven und den inneren Organen, erhöhter Stress und psychische Einflüsse. Klinisch differenziert man zwischen einem Verspannungsgefühl, das nicht immer mit einer Muskelverhärtung einhergeht und Muskelverhärtungen, die nicht immer schmerzhaft sein müssen.

Für die gezielte Therapieplanung ist es wichtig, ob der Muskel tatsächlich verhärtet ist oder ob der LWS-Schmerz im Vordergrund steht.

Sie kennen es sicher, die Muskulatur im oberen oder unteren Rücken schmerzt oder fühlt sich verspannt an. Wenn Sie selbst oder andere den Muskel massieren kann es sehr angenehm, manchmal aber auch sehr schmerzhaft sein.

Viele unserer Patienten mit chronischen Nacken-oder Rückenschmerzen berichten über wiederholte oder konstante Verspannungen. Oft wurden schon viele Massagen und manualtherapeutische Behandlungen durchgeführt. In den meisten Fällen hält die Wirkung dieser Behandlung anfangs noch für längere Zeit, mit zunehmender Verschlechterung manchmal nur noch für einige Stunden an.
Eigentlich müsste man erwarten, dass sich die Verspannung durch die Massage, Manualtherapie oder auch Wärmeanwendung nachhaltig zurückbildet. Bei akuten Verspannungen, z.B. durch eine Überlastung oder eine Verrenkung ist dies zumeist auch der Fall.


Warum bilden sich die Verspannungen bei Nacken- oder Rückenschmerzen oftmals nicht zurück?

In unserer Praxis hat sich gezeigt, dass ein Verspannungsgefühl nicht immer auch mit einem verspannten Muskel einhergeht. Besonders bei chronischen Beschwerden fühlt sich manchmal ein Muskel verspannt an, obwohl er relativ entspannt ist. Aber auch das Gegenteil ist möglich, wir erleben immer wieder Patienten, die eine extrem feste Muskulatur haben ohne dass eine Schmerzhaftigkeit damit verbunden ist.
Die Erklärung dieser Diskrepanz findet sich oft in einer veränderten Schmerzwahrnehmung, der Schmerzsensibilität oder der Schmerzverarbeitung. Diese sind von Mensch zu Mensch individuell sehr unterschiedlich und abhängig von anderen Variablen wie Befindlichkeit, Stress und Charaktertyp. Es ist wichtig zu verstehen, dass unser Gefühl bei Schmerzen nicht immer eindeutig ist. Ein Verspannungsschmerz sollte deshalb zunächst mehr im weiteren Sinn als Schmerz und weniger als Muskelverspannung verstanden werden.

 

Wie kann es zu chronischen Verspannungen kommen?

Wenn wir die Verspannung mehr als ein Schmerzsyndrom verstehen wird verständlich, dass wir erst dann erfolgreich behandeln können, wenn wir die Ursachen des Verspannungsschmerzes erkannt haben. Solange wir dies nicht berücksichtigen bleiben die lokalen Behandlungen mit Massage, Manualtherapie und der Osteopathie oft ohne nachhaltige Wirkung.
 

Grundsätzlich müssen wir 3 verschiedene Ursachen für die Verspannungsschmerzen berücksichtigen:

  • 1. Tatsächliche, schmerzhafte Verhärtung des Muskels und des Bindegewebes mit verändertem Stoffwechsel. Oftmals ausgelöst durch wiederholte Fehlbelastungen, typischerweise langes Sitzen am PC.
  • 2. Reizung des zum Muskel führenden Nerven durch Veränderungen im Nervenverlauf
    (z.B. Entzündung, Druck durch einen Bandscheibenvorfall, Entzündung im Nerv selbst).
  • 3. Veränderte Schmerzwahrnehmung und Schmerzverarbeitung
    (Hyperalgesie).

Wie kann die Elastographie helfen Verspannungen besser zu verstehen?

Mit der neuesten Generation der Ultraschallgeräte, die mit einer hochauflösenden Technik ausgestattet sind, ist es nun erstmals möglich, die Elastizität (Weichheit/Härte) auch von Muskeln und Sehnen objektiv darzustellen. Mit der Methode der Scherwellen-Elastografie wird bei der normalen (ungefährlichen) Ultraschalluntersuchung zusätzlich, über eine sehr aufwendige Technik, die Elastizität des Gewebes gemessen.

Ein entspannter Muskel ist relativ weich und die Reflexe in der Scherwellen-Untersuchung sind gering (blaue-grüne Färbung). Je fester das Gewebe wird, desto mehr wird die Farbcodierung in Richtung Gelb-Rot verschoben.

Zunehmende Bedeutung erhält die Elastographie auch in der Untersuchung von Triggerpunkten und des Bindegewebes (Faszien). Hier lassen sich, besonders im unteren Rücken, aber auch im Nacken und an Armen und Beinen oftmals deutliche Veränderungen nachweisen. Je nach Ergebnis der Elastographie kann dadurch eine gezielte Behandlung eingeleitet werden.

 

Therapeutische Bedeutung

Für die Therapieplanung ist es natürlich sehr wichtig, ob der Muskel tatsächlich verhärtet ist oder ob ein Gefühl, ein Verspannungsschmerz, im Vordergrund steht.

Bei einer verminderten Elastizität ist davon auszugehen, dass sich auch die Muskelstruktur verändert hat. Typischerweise führen dann krankengymnastische Behandlungen und Massagen nur zu einer kurzfristigen Linderung des Spannungsgefühls. In diesen Fällen ist eine gezieltere lokale Behandlung, z.B.  im Rahmen einer Triggerpunkttherapie mit fokussierter Stoßwellenbehandlung und Akupunktur erforderlich.

Findet sich bei chronischem Schmerz keine Verhärtung des Muskels, ist dies ein entscheidender Hinweis nach anderen Schmerzursachen, dann zumeist Entzündungen oder Reizungen an der Wirbelsäule, zu suchen. Dies erklärt auch, warum in diesen Situationen Massagen und manualtherapeutische Behandlungen keine nachhaltige Verbesserung erreichen konnten.

Welche Untersuchungstechnik wird für dieses Modul genutzt?

High Resolution Ultraschall mit Scherwellen-Elastographie

Mit der neuesten Generation der Ultraschallgeräte, die mit einer hochauflösenden Technik ausgestattet sind, ist es möglich, sowohl die Dicke als auch die Elastizität von Muskeln, Sehnen und Faszien objektiv darzustellen. Mit der Methode der Scherwellen-Elastographie wird bei der normalen Ultraschalluntersuchung zusätzlich die Elastizität des Gewebes gemessen. Die Messung wird farbkodiert: Bei entspanntem/weichem Gewebe sind die Reflexe in der Scherwellen-Untersuchung gering (blaue-grüne Färbung). Je fester das Gewebe wird, desto mehr wird die Farbcodierung verschoben (in die gelb-rote Färbung). Hiermit lassen sich lokale Faszienverhärtung und Triggerpunkte darstellen.

 

Welche Folgerungen und Behandlungsmöglichkeiten ergeben sich aus den Untersuchungsergebnissen?

Liegen Veränderungen der Faszien und der Muskulatur vor, wird ein entsprechender Therapieschwerpunkt gesetzt. Therapeutisch empfehlen sich manualmedizinische Verfahren (myofasziale Techniken), Stoßwellentherapie (Triggerstoßwelle in Kombination mit radiärer Stoßwelle) und Akupunkturbehandlungen (in Kombination mit Schröpfmassage/Spineliner). Der Patient kann ergänzend zur Eigenbehandlung mit Faszienrolle und –ball angeleitet werden.

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